Dienstag, 23. Dezember 2014

Ent-Scheidung

Es wirkt fast wie ein persönlicher Affront für mich, wenn jemand beschließt von hier weg zu ziehen - wo wir es doch so schön und gut hier haben. Es geht dabei nicht mit rechten Dingen zu, die unrechten sind:
  1. Es ist nicht im Bereich des Denkbaren, dass das Leben woanders auch nicht anders als schön und gut ist. Die Übersiedlung ist daher eine Fehlentscheidung.
  2. Der Schmerz und die Wut liebgewordene Menschen ziehen lassen zu müssen und die Unlust, die Trauer darüber zu ertragen.
Jetzt also ein Versuch, für die Vorüberziehenden Evelyn und Briant einen versöhnlichen Abschiedsbrief zu erfinden:

Liebe Evelyn,
Lieber Briant,

Ich finde es ja schon ein wenig despektierlich, dass ihr mit uns nicht gemeinsam alt werden wollt! Respektierlich ist andererseits, dass ihr eure Lebensqualität beim Älterwerden ernst nehmt, euch ent-schieden habt, und uns verlasst.
Jedenfalls ist es euch gelungen uns manifeste Denkmäler eurer jugendlichen Schaffenskraft zu hinterlassen (eure Kinder nehmt ihr aber bitte mit).

Wenn also jemand zufällig vorbei kommt und unseren schönen Pool bewundert und fragt „Ei, wessen Idee war denn dieser herrlich kühlende Pool? Und wer konnte sämtliche Tücken eures komplizierten und langwierigen Entscheidungsprozesses in so kurzer Zeit überwinden?“ Da werden wir dann antworten: „Die Evelyn war es“. 

Und wenn dann noch einer kommt oder derselbe ein paar Schritte weitergeht und vor der prächtigen Werkstattjurte erstaunt stehen bleibt und fragt: „Ei der Taus, wer hat denn diesen funktionalen Prachtbau errichtet? Wer war denn über die Jahre so hartnäckig und so wagemutig einen schwierigen Workshopleiter  einzuladen?“ Und dann werden wir antworten „Der Briant war es“.


Wann immer ihr Lust auf etwas Wildes habt, das in der Stadt verboten ist, z.B. Hupen, sich in der Wohnung anschreien, ein richtig großes Feuer anzünden usw., wisst ihr wo ihr uns findet.


 


 

Donnerstag, 27. März 2014

Es gibt immer was zu tun


Hier bei uns in der Cohousingsiedlung gibt es immer neue Ideen und Projekte. Alle die gerne werken, einen Überschuss an Lebensenergie haben, Anerkennung brauchen oder ihr Haushaltsbudget anreichern wollen, finden Betätigungsfelder.


Bau der Wasserleitung im Grünland
Es ist herrlich die eigenen Talente und Leidenschaften sinnvoll einbringen zu können. Das technische Hochrüsten des Eigenheims oder der Ausbau zu einem verschnörkelten Barockschlösschen wird mitunter als hohle, sinnentleerte Tätigkeit erlebt, die nur um sich selbst kreist. Es macht eben mehr Sinn, wenn mehrere Menschen profitieren, etliche Probleme gelöst werden oder viele einen ästhetischen Genuss erleben können.

Wenn du anderen etwas gibst, dann bekommst du immer was zurück


In der Werkstatt: Drehkran 
Diese Behauptung einer Slumbewohnerin aus Nairobi habe ich soeben in einem Radiofeature aufgeschnappt. Sie hat neun eigene Kinder und weitere elf Waisenkinder aufgenommen, von denen ein Kind behindert und ein anderes HIV-positiv ist. Diese Lebensumstände lassen sich natürlich nicht mit den unseren vergleichen aber da ökonomische Überlegungen bis in die hintersten Winkel unserer Existenz vorgedrungen sind und wir häufig fürchten von anderen benutzt bzw. ausgenutzt zu werden, was bleibt uns noch?

Arbeit am Brotbackofen
Zunächst ist da einmal die persönliche Leidenschaft, die Flow-Erlebnisse ermöglicht, wenn wir das tun, was wir gerne tun. Folge davon können Nachtschichten in der Werkstatt oder Konflikte mit der Partnerin sein, wenn man Projekte unbedingt abschließen möchte. Angefeuert von der Vorfreude auf die Beobachtung von kleinen emsigen Bauarbeiter wird der Drehkran für den Kinderspielplatz geschweißt. Das Dach des Lagerschuppens neu gedeckt, damit der soeben erworbene Rasentraktor für den gemeinsamen Fußballplatz im Trockenen steht und das sonntägliche Kickerl mit den Nachbarn auf gepflegtem Rasen stattfindet. Oder es wird stundenlang im Internet für den Bau des Brotbackofens recherchiert, um das Darben nach gutem Brot zu beenden.

Freundschaft durch gemeinsame Motive und Projekte


Wenn an einem Aktionstag 20 oder mehr Bewohner an der Erhaltung, Behübschung oder Verbesserung der Siedlung arbeiten, dann hat das Flair. Es erinnert mich an die Kindheit, wo nahe und ferne Verwandte anlässlich der Weinlese zusammen gekommen sind, gemeinsam gearbeitet, geplaudert, gegessen und getrunken haben - oft bis spät in der Nacht. 
Jetzt sind es eben "Wahlverwandte" mit dem verbindenden Motiv der Pflege oder Weiterentwicklung des gemeinsamen Lebensraumes. Arbeiten, schwatzen, essen, trinken, singen, musizieren und feiern am Lagerfeuer. Dieser Teil der Vorstellung vom guten Leben hat sich über die Jahrtausende nicht wirklich verändert. Manche bleiben zu Hause, nehmen nicht Anteil, sind kein Teil von gemeinsamen Visionen oder Projekten. Sie bleiben für sich, privat. Im Antiken Griechenland wurden sie ohne abwertende Bedeutung Idiotes genannt.

Donnerstag, 19. April 2012

Göttliche Geschenke

62 Stunden Wehen und zittern, ob alles gut ausgeht. Ein Kind, das auf fast 41 Grad fiebert, damit die Großmutter überfordert, während die Mutter den Bruder gebärt. Einen schlaflosen Vater, der in letzter Minute vor dem Osterwochenende Ärzte und Apotheken heimsucht. Die Geburt eines Kindes stellt fast jede Familie vor z.T. enorme Herausforderungen: Sorgenfalten durchziehen das Gesicht, die Augenringe sprießen, die Müdigkeit wird zum ständigen Begleiter und die Nerven liegen blank.

Wie fruchtbar ist der kleinste Kreis, wenn man ihn wohl zu Pflegen weiß. (J.W. Goethe)


Ein soziales Netzwerk, das Geborgenheit, echten Rückhalt und praktische Unterstützung bietet ist in dieser und vergleichbaren Situationen unglaublich wertvoll und fällt nicht vom Himmel. Wir haben hier im Cohousingprojekt Lebensraum diese wichtige Ressourcen in den vergangen Wochen erleben dürfen und ich bin unendlich dankbar, für die Anteilnahme und das empathische Interesse in der Phase vor der Geburt und danach, für die Möglichkeit des Austausches von Erfahrungen oder die nachbarschaftlichen Supervisionen wenn man glaube es geht nicht mehr, für den köstlichen und nahrhaften Hühnersuppentopf, für die vor dem Regen gerettete fein säuberlich aufgehängte Wäsche, für den Birnengrießauflauf, die Gemüsesuppe und den vielen anderen Köstlichkeiten, mit denen wir in den letzten Tagen versorgt wurden,
für die vielen Glückwünsche, für die freundlichen Gesichter die Theodor auf den Gängen und im Gemeinschaftsraum anlächeln, für die Abholung von Mutter und Kind aus dem Krankenhaus, für die Besorgungen und Einkäufe, für die Betreuung des älteren Bruders, für die Diskretion und Zurückhaltung in den ersten Tagen.Und ich bin sehr dankbar für die Erfahrung, dass Engagement für die Gemeinschaft eine echte diesseitige Komponente hat und keine reine metaphysische Hoffnung ist.

Nachhaltiges Netzwerk


Heute habe ich im Radio auf Ö1 einen Beitrag über "Die Macht der Netzwerke" gehört (http://oe1.orf.at/programm/300684), der wunderbar zu diesem Thema passt.
Macht kommt von können und unser Netzwerk hier in der Cohousingsiedlung Lebensraum in Gänserndorf kann vieles und ich bin mächtig Stolz darauf. Es kann mir zwar keine lukrativen Einkünfte bieten, wo ich hinterher rätsle "wos mei Leistung woar", aber es stellt echte Ressourcen zur Verfügung, nicht nur ideologisch aufgeladene Träumereien.
Unsere Gemeinschaft bietet ein Lebensgefühl der Zugehörigkeit und Geborgenheit, das zweite Kriterium von nachhaltigen Netzwerken. Das Dritte, nämlich Offenheit für Neues und Unterschiedliches und damit verbunden, die Möglichkeit des persönlichen Wachstums durch Lernerfahrungen und -impulse, können alle hier, die sich aktiv in das Gemeinschaftsleben einbringen, beinahe tagtäglich erleben.
Und schließlich sind anziehende visionäre Kräfte wichtig, eine Richtung, Ziele, die das Leben der Gesellschaft bereichern und dem Leben dienen. Dadurch werden Netzwerke breit und attraktiv für neue Mitglieder und unterscheiden sich von zynischen Netzwerken, die nur einem Selbstzweck folgen und den Nutzen ihrer Mitglieder maximieren. Ich bin überzeugt, dass für Österreich, Europa, eigentlich für die ganze Welt offene und innovative Gemeinschaften nützlich sind.

Dienstag, 24. Januar 2012

LebensTraum

Nachdem wir zum allerersten Mal ganz alleine für die Kochgruppe in den Riesentöpfen gekocht haben, fragt mich Reinhard ob ich über die Eindrücke Einer frisch eingezogenen schreiben will. Ich halte mich fest an meiner Kochschürze, meine Finger rotgefärbt von den roten Rüben und überlege kurz, ob ich schon weiß wie sich das anfühlt, dieser Lebens(t)raum. Und ich erinnere mich plötzlich, wie ein paar Minuten nach unserer Ankunft, nachdem wir das erste Glas Brunnenwasser getrunken haben, derselbe Reinhard aus der Küche kam und uns fragte: „Wollt ihr Gulasch?“

Es fängt gut an – hab ich mir gedacht.

Nach einem Sommermonat unterwegs auf Reisen, fahren wir mit einem ausgeborgten Auto auf der Westautobahn Richtung Osten. Hinten in einem wackeligen Anhänger Schätze unseres bisherigen gemeinsamen Lebens, thematisch in Bananenschachteln sortiert. In mir ist es noch da, dieses Spätsommergefühl von Reisen ins Unbekannte.

Auf dem Weg vom Gulasch zur Wohnung begegnen wir unserer neuen Nachbarin Anna an ihrem dritten Geburtstag. Sie ist schön mit Ihrer Krone!

Es ist bereits Abend. Unsere Vormieter haben keine Glühbirnen in der Wohnung gelassen. Es riecht nach Bodenöl. Wir bewandern und durchschreiten die leere Wohnung: rauf, runter, raus, rein- fein! Ein Glas Wein?

Trinkwasser vom Brunnen holen und erlauben, dass dabei was passiert. Tauschen, lauschen ...
Ich lese noch einmal das Infoschild auf der Eingangstür: “Co-Housing : Siedlung mit aktiv gelebter Nachbarschaft” und möchte das sofort ausprobieren. Jetzt sind wir doch gerade “Nachbarn in Not”.
Während David im Obergeschoß unser Bett baut stehe ich unten in der Küche und schreib alles auf, was mir einfällt an nicht auffindbaren und dringend benötigten Sachen und stelle mir vor etwa so zu fragen: "Hallo, ich bin Szende, die Neue. Hast du vielleicht: ein Ei, Nadel, Bohrmaschine, Schöpfer, Spachtel, Klopapier, Handy-Ladegerät, Brot, Glühbirne, Zeit ... Lust ..."
Ich probiere es gleich nebenan.

Schritte der Eingewöhnung.

September. Wände ausgemalt, kräutergrün (Farbe von den Nachbarn). Kleinkindergruppe entsteht. Fabio klopft an und spielt uns was auf seiner Spielgitarre vor. Die Emilia bringt uns von ihren “Radlreisen” kurze Gangnachrichten heim. Wir lernen Pferde, Ziegen und immer mehr Nachbar kennen.
In einer der ersten Nächte, Gangfinsternis. Ich bin müde und öffne die Wohnungstür. Es ist ganz ruhig und riecht anders als bei uns. Wo bin ich hier? Eine Uhr zeigt mir in roten Zahlen: 23:11. Wir haben keine elektrische Uhr... Schnell raus und zur richtigenTür... So besuchte ich zum ersten mal unsere Nachbarn.

Oktober. Wir wollen Hühner. Andere auch. Es kommt ein spannendes Hühnertreffen zu stande. Physalisernte. Einzugsfest mit Feuertonne im Garten, Schokobrunnen auf der Terrasse und vielen Gästen. Wir fühlen uns willkommen.

November. Emilias Geburtstag in Gemeinschaftsraum, viel Freude, Freunde, Schaukelpferde. Abendessen bei Nachbarn.

Dezember. Abendessen bei Nachbarn. Jurtenfest mit Adventsingen. Betreuung der Nachbarskatze. Kekstausch. Freiluft – Tanzrausch. Spannend-schön.

Wir fahren über Weihnachten weg, nach Rumänien. Im Zug klingelt das Telefon, Alex. Licht im Bad vergessen. Er weiß, wo der Schlüssel ist...

Szende

Sonntag, 6. November 2011

Entscheidungen in der Gemeinschaft

Der Unterschied zwischen "ich habe mich entschieden" und "wir haben uns entschieden" beträgt für gewöhnlich Wochen, Monate oder gar Jahre. Entscheidungen alleine zu treffen ist oftmals schwierig genug, aber wenn mehrere Personen, oder wie in unserem Fall 47 Erwachsene etwas beschließen sollen, ist das eine recht komplexe Sache.

Grafik 1
Wir haben seit 2005 einen mehrstufigen Entscheidungsprozess. Jeder Erwachsene hat eine Stimme. Wenn ein Konsens möglich ist, dann kann die Entscheidung sehr rasch erfolgen, u.z. innerhalb von zwei Sitzungen, die zumeist monatlich stattfinden. Ab der dritten Sitzung, in der das Thema behandelt wird, genügt eine 2/3 Mehrheit.
Um in einer Gemeinschaft zu einer Entscheidung zu gelangen braucht man Langmut. Die Dinge laufen schleppend und es ist z.T. sehr mühsam die notwendigen Mehrheit für einen Beschluss zu bekommen. Wir haben aber doch einige Entscheidungen im Laufe der Jahre getroffen - siehe Grafik 1.

Welche Entscheidungen treffen wir? Die Mehrzahl der Entscheidungen seit bestehen der Cohousingsiedlung 2005 betrifft die Infrastruktur (18), dann Finanzielles (14), Nutzung der Gemeinschaftseinrichtungen (7), gefolgt von Gemeinschaftsbildung (4) und den Entscheidungsprozess selbst (3).

Grafik 2
Entscheidungen bestimmen unsere Zukunft, die individuelle und die gemeinsame. Den langen Atem, um in einer Gemeinschaft Impulse zu setzen oder Nutzen und Lasten gerecht zu verteilen, haben aber nur wenige. Von den 47 Erwachsenen in der Community waren 25 zumindest einmal in einer Arbeitsgruppe, die eine Initiative zu einer Abstimmung gebracht hat. Die Mehrzahl davon, nämlich 11, allerdings nur einmal. Wie in fast jeder Gemeinschaft gibt es auch bei uns einige Wenige die häufiger die Initiative ergreifen und bis zur Entscheidungsfindung in der Gruppe die Sache voranbringen (siehe Grafik 2). 47 Prozent der BewohnerInnen machen lediglich von ihrem Stimmrecht Gebrauch (auch nicht immer) und haben noch nie Abstimmungen beantragt.

Diese 22 BewohnerInnen tun nicht nichts; sie engagieren sich wie alle übrigen bei der Anlagenerhaltung und erfüllen wichtige Funktionen im Gemeinschaftsleben. Allerdings wäre es für die Gemeinschaft eine echte Bereicherung, wenn sie ihre Kompetenzen und Ideen in Arbeitsgruppen einbringen, die Entscheidungen vorbereiten und zur Abstimmung führen. Vielleicht könnte ein anderes Entscheidungsmodell dabei hilfreich sein: Die Soziokratie. Wir werden in den nächsten Wochen darüber diskutieren und entscheiden, ob wir uns darin schulen lassen wollen.

Dienstag, 13. September 2011

Gangbrunch

Das Informelle und Spontane hat Charme, aber es herrschte unter den BewohnerInnen der Cohousingsiedlung Lebensraum am Sonntag früh Verwirrung. Seit Freitag kursierten zwar vage Gerüchte um einen bevorstehenden Vormittagsbrunch am Gang, aber am Sonntagmorgen schien es, als ob das Unbestimmte und Unverbindliche seinen gewöhnlichen Lauf nimmt und im Nichts endet. Daher begannen einige ihre Haushaltsroutine, gingen Wäsche waschen, holten Wasser vom Gemeinschaftsbrunnen oder genossen die Vormittagssonne im Hof und unterhielten sich, während Julia, Christian und der kleine Konstantin eifrig Palatschinken für den Brunch ohne konkreten Termin produzierten. Ein Dutzend Palatschinken als Kristallisationspunkt, die Vorfreude der Nachbarn auf geselliges Beisammensein und ein paar hemdsärmlige Handgriffe brachten den Brunch wieder auf Schiene. Und wenige Augenblicke später saßen sie beieinander. Aus den Wohnungen wurden allerlei Köstlichkeiten herangeschleppt, die Kinder holten mit einem Bobby-Car im Anhänger Weintrauben vom Gemeinschaftshof und eine Saftpresse machte daraus wohlschmeckenden Traubensaft. Am Gang roch es nach Kaffee und Palatschinken. Die Kinder quietschten vor Vergnügen oder jammerten, es wurde gelacht und diskutiert, andere Nachbarn gesellten sich hinzu und zwei Stunden später war der Gang wieder ein nur ein Gang. Bis zum nächsten Brunch, wo er sich abermals - zumeist recht spontan - in eine Art Tempel des Gemeinschaftslebens verwandelt.

Spontaner Gangbrunch am Sonntag Vormittag







Mittwoch, 20. Juli 2011

Diana Leafe Christian zu Gast

Diana Leafe Christian
Die US-amerikanische Koryphäe in Sachen Leben in Gemeinschaft, Diana Leafe Christian, war vergangenes Wochenende hier bei uns zu Gast und hielt einen Workshop zum Thema "Creating Life Together" - der Titel ihres gleichnamigen Buchs. Ähnlich wie der Cohousingspionier Charles Durrett vor drei Jahren, konnte sie ihr Publikum mit ihrem Fachwissen und mitreißenden Vortragstil  begeisternden. Seit dem Seminar mit Charles Durrett im Jahr 2008 kochen wir regelmäßig in einem Kochzyklus in unserer Gemeinschaftsküche und essen Montag bis Donnerstag Abend gemeinsam. Man darf gespannt sein, welche konkreten Auswirkungen die Idee und Impulse von Diana Leafe Christian in unserem Gemeinschaftsprojekt hinterlassen.

Charles Durrett
Ihre Version, wie ein Gemeinschaftsleben gelingen kann, basiert auf eigene Gemeinschaftserfahrung, dem Besuche zahlreicher Projekte und Interviews mit gemeinschaftserfahrenen Menschen in der ganzen Welt. Für Christian sind dabei u.a. folgende Dinge zu beachten: 
  1. Klärung von Sinn und Zweck der Gemeinschaft
  2. Ziele definieren
  3. Geeigneter Auswahlprozess von neuen MitbewohnerInnen
  4. Gemeinsame Regeln und Vereinbarungen dokumentieren und neuen Mitbewohnern zur Kenntnis bringen
  5. Effizienter Entscheidungsfindungsprozess und Schulung von neuen Mitbewohnern
  6. Das Gemeinschaftsleben wird bzw. bleibt stabil durch gemeinsame Arbeit an Projekten, gemeinsames Feiern Singen, Musizieren, kreativ sein, Sport machen, Lebensgeschichten austauschen
Einiges aus dieser Liste haben wir bereits umgesetzt oder sind gerade dabei, vieles ist aber noch offen und braucht engagierte Geburtshelfer. Einige von uns sind aber bereits frustriert, weil aus ihrer Sicht zu Wenigen von uns die Gemeinschaft ein echtes Anliegen ist und sie sich dafür auch engagieren. Für Diana Leafe Christian ist es Simple: "Nur jene, die sich engagieren und Gemeinschaft ernst nehmen, profitieren und erfreuen sich an ihr. Gemeinschaftlich leben bedeutet im Hinblick auf die Persönlichkeitsentwicklung, zu vollenden, was unsere Eltern begonnen haben."